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Kunstausstellung „Ich ist ein Anderer“ – Gesichter einer Epoche: Kirchner, Klee, Picasso (29.01. bis 27.05.2012 im Franz Marc Museum, Kochel am See)

Bild von Robert Tanania

Foto: Franz Marc Museum (Asconeser Kopf von Jawlensky, 1918)
Foto: Franz Marc Museum (Asconeser Kopf von Jawlensky, 1918)
(RT) Morgen wird um 11:00 Uhr die Ausstellung -„Ich ist ein Anderer“ – Gesichter einer Epoche: Kirchner, Klee, Picasso - im Franz Marc Museum in Kochel am See eröffnet. In dieser Ausstellung werden 76 Zeichnungen, Graphiken, Gemälde, Fotographien und Skulpturen ausgestellt.
In der Entwicklung des Bildnisses in der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann man eine Sicht des Menschen erkennen, der sich seiner eigenen Identität nicht mehr sicher sein kann. In Anknüpfung an ein Zitat des französischen Dichters Arthur Rimbaud, der 1871 das Befremden dem eigenen Handeln und Befinden gegenüber in dem Satz „Ich ist ein anderer“ ausdrückte, zeigt das Franz Marc Museum eine Ausstellung mit Bildnissen aus einer Epoche des gesellschaftlichen und künstlerischen Umbruchs. Die Ausstellung entfaltet ein Panorama des Bildnisses in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwischen dem kubistisch inspirierten Portrait der „Fernande“ (1909) von Pablo Picasso und einer Serie gezeichneter Physiognomien Paul Klees (1939).

Picassos „Fernande“ (1909) – Ein Meisterwerk des frühen Kubismus
Einen Höherpunkt der Ausstellung bildet Picassos entscheidendes Werk des frühen Kubismus, das Bildnis seiner frühen Geliebten Fernande. Dieses Werk ist der Abschluss einer intensiven Auseinandersetzung Picassos mit dem Spätwerk Cézannes, dem „Vater“ der Moderne, dessen künstlerische Neuansätze Picasso radikalisiert, indem er Raum und Volumen in einem viel höheren Maße auflöst und den Betrachterstandpunkt vervielfacht.

Die in der Ausstellung aufeinandertreffenden Gesichter rufen beim Betrachter nicht nur Fremdheit und Beunruhigung hervor, sondern sie bringen auch das Befremden der Dargestellten dem eigenen Handeln und Befinden gegenüber zum Ausdruck. Im Hintergrund dieser Gesichter steht immer die Frage nach der eigenen Identität, die in einer Welt der sich immer mehr auflösenden sozialen Strukturen und moralischen Normen, der Technisierung und der Massenproduktion sowie neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, die die bis dahin gültigen Wahrheiten in Frage stellten, zunehmend dringlicher wurde.

Jawlensky – Ein Meister des Expressionismus
„Äpfel, Bäume, menschliche Gesichter sind für mich nur Hinweise, um in ihnen etwas anderes zu sehen: das Leben der Farbe erfasst von einem Leidenschaftlichen, einem Verliebten“, so Jawlensky.
Jawlesnkys nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen „abstrakten Köpfe“ basieren ausschließlich auf der Wirkung der Farben, die im Zusammenspiel mit den zeichenhaft angedeuteten, entindividualisierten Gesichtszügen als abstrakte „Stimmungsbilder“ zu verstehen sind.

Paul Klees Physiognomische Psychogramme schließen die Ausstellung
Klees 1939 entstandene Physiognomische Psychogramme konterkarieren das ordnende Bemühen, die Erscheinung des Menschen wieder begreifbar zu machen. Diese ein Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs entstandenen Zeichnungen zeigen die Dargestellten als Karikaturen, deren Gesichtsausdruck durch einen nebensächlichen, oft lächerlichen oder flüchtigen Gedanken bestimmt sind. In seinen Bildtitel hebt Klee jeweils ein Detail hervor, das weder das Ganze formal erklärt, noch sich auf einen wesentlichen Charakterzug bezieht. Dieser Sichtweise wird der Zerfall der Einheit zum Prinzip und das Gesicht des Menschen ist dem Zufall des Augenblicks unterworfen. Der Katalog zur Ausstellung enthält einen Text zu Klees Psychogrammen von Tilman Osterwold.

Die Ausstellung stellt exemplarisch verschiedene Positionen des Bildnisses in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor. Gezeigt werden Werke von: Pablo Picasso, Alexej von Jawlensky, Oskar Kokoschka, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Ludwig Meidner, Wilhelm Lehmbruck, Otto Dix, Paula Modersohn Becker, Willi Baumeister, Max Beckmann, Emil Nolde, Lovis Corinth, Franz Marc, Christian Rohlfs, Lyonel Feininger, Christian Schad, Egon Schiele, Oskar Schlemmer, Karl Schmidt-Rottluff, Karl Hofer, August Sander und Paul Klee.

Erwerb eines Gemäldes von Kandinsky für das Franz Marc Museum
Am 24. November wurde in der Auktion in der Villa Grisebach ein wunderbares kleines Ölgemälde von Wassily Kandinsky „Rapallo – Boot im Meer“ (1906) für 550.000 Euro erworben.

Weitere Informationen
Weitere Informationen kann man finden unter www.franz-marc-museum.de
Die Öffnungszeiten sind Dienstag-Sonntag und an Feiertagen, April-Oktober 10-18 Uhr, November-März 10-17 Uhr. Das Katalogheft zur Ausstellung umfasst 36 Seiten und kostet 11,50 Euro. In dem Museum gibt es auch das Restaurant „Zum Blauen Reiter“. Ferner werden in den Winterferien zwischen dem 21. Februar und 24. Februar Workshops für Kinder und Erwachsene und auch ein spezielles Faschingsprogramm für Kinder am 21./22. Februar angeboten.

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